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Bedeutet es tatsächlich wie das Wort besagt, dass ich mich nur selber regulieren kann? Und was genau regulieren wir denn da?

Die Fähigkeit der Selbstregulation entwickelt sich am Beginn unseres Lebens. Sie entsteht im wesentlichen durch die Qualität der Bindung und des Kontakts zu unseren nahen Bezugspersonen. Ist dieser frühe Kontakt fein abgestimmt und verlässlich, lernt ein Baby durch seine Empfindungen und durch die Reaktionen seiner Bezugspersonen, wie seine Umwelt funktioniert und wie es sich in ihr bewegen kann.

Diese frühen Erfahrungen bilden ein Fundament dafür, wie wir uns selbst und die Welt heute wahrnehmen.

Selbstregulation ist ein lebenslanger Prozess

Unsere Fähigkeit zur Selbstregulation beeinflusst heute, wie glücklich wir uns fühlen, wie wir mit Stress umgehen und wie wir auf Ereignisse und Herausforderungen reagieren. Sie hat damit auch Einfluss darauf, wie beziehungsfähig wir sind und wie gut es uns gelingt, in schwierigen Situationen den Überblick zu behalten.

Eine gut entwickelte Regulationsfähigkeit bedeutet nicht, ständig ruhig und ausgeglichen zu sein. Im Gegenteil: Sie ermöglicht uns, die ganze Bandbreite unserer Gefühle zu erleben und mit ihnen umzugehen. Wir können neugierig und entdeckungsfreudig sein, Freude empfinden, Entscheidungen treffen und unseren Alltag aktiv gestalten. Wir können uns wohl, lebendig und mit uns selbst verbunden fühlen.

Wenn Regulation immer schwieriger wird

Sind wir nicht fähig sind uns gut zu regulieren, verhalten wir uns meist reaktiver und haben das Gefühl, dass uns der Alltag bestimmt. Wir reagieren nur noch auf Anforderungen und sind z.B. schon angestrengt, wenn das Smartphone klingelt, eine Nachricht ankommt oder jemand etwas von uns möchte. Wir leben dann zunehmend in innerer Anspannung und befinden uns im Funktionsmodus. Zunächst fällt uns dieser Zustand gar nicht auf. Vielleicht denken wir sogar: „Das geht doch allen so. Das ist der ganz normale Alltag. So ist mein Leben eben….“ Wir empfinden uns so wie gewohnt, wie immer.

Doch häufig handelt es sich um einen sehr subtilen, schleichenden Prozess, der sich weitgehend unterhalb unserer alltäglichen Aufmerksamkeit entwickelt. Mit der Zeit fühlen wir uns matt, schlapp, lustlos, ausgelaugt… Wir meiden, wenn möglich Kontakte und sind froh, wenn wir unsere Ruhe haben. Diese Ruhe kann kurzfristig entlastend sein. Auf Dauer ist Rückzug jedoch nicht unbedingt hilfreich. Er kann Selbstzweifel und Gefühle von Einsamkeit sogar verstärken.

Regulation braucht Kontakt

Genau hier wird deutlich: Alleine funktioniert es nicht. Wir können uns nicht nur selber regulieren, wir brauchen Kontakt.

Wir brauchen einen wohlwollenden, liebevollen und herzlichen Kontakt zu einem anderen Lebewesen. Wir brauchen die Anwesenheit, den Blick in die Augen und dadurch die unmittelbare Erfahrung: Da ist jemand. Ich bin nicht allein.

Denn Regulation ist nicht nur etwas, das in unserem Denken stattfindet. Sie ist zutiefst körperlich. Unser Nervensystem, unser Hormonsystem, unser Bindegewebe und viele weitere Gewebe und körperliche Prozesse sind daran beteiligt, unseren inneren Zustand zu regulieren.

Selbstregulation beginnt in Beziehung

In den ersten Lebensjahren entwickelt sich unser Körper über die Beziehungsebene. Hier erwerben wir, im besten Fall, auch die Fähigkeiten emotional zu sein. Das bedeutet: Wir können die ganze Bandbreite menschlicher Gefühle erleben. Dazu gehört eine gesunde Aggression ebenso wie angemessene Vorsicht, Angst, Trauer oder intensive Glücksmomente. Entscheidend ist die Erfahrung, dass all diese Gefühle im Kontakt mit einem anderen Menschen sein dürfen und gehalten werden können.

Zum Beispiel:

  • Ich freue mich – mein Gegenüber lächelt mich an und freut sich mit mir.
  • Ich bin wütend – mein Gegenüber bleibt da und hilft mir, wieder zur Ruhe zu kommen.
  • Ich habe Angst – mein Gegenüber ist da und wir finden gemeinsam einen Weg durch die Situation.

So lernt unser Körper nach und nach: Ich darf fühlen. Gefühle sind möglich. Ich kann etwas erleben, ohne daran zu zerbrechen. Und ich bin mit dem, was ich erlebe, nicht allein. Genauso wie ich bin, bin ich richtig.

Beziehung formt uns

Für das heranwachsende Kind sind das, was wir jetzt hier Gefühle nennen können, pure Körperempfindungen: Es spürt mehr oder weniger Erregung, mehr oder weniger Anspannung, mehr oder weniger kribbeln, pulsieren, stechen, brennen, Hitze, Kälte,…. Erst durch die Reaktion der Bezugspersonen auf sein Verhalten prägen sich Verhaltensmuster tief in uns Menschen ein.

Während dieser frühen Jahre wachsen gleichzeitig unsere Knochen, Muskeln, Organe und alle anderen Gewebe. Unser Körper entwickelt sich, verändert seine Form und findet zunehmend seine eigene Gestalt. Diese körperlichen und zwischenmenschlichen Entwicklungsprozesse sind eng miteinander verwoben. Sie prägen uns bis heute:

  • Wie wir uns selbst und andere wahrnehmen.
  • Wie wir uns halten und bewegen.
  • Wie wir mit Nähe und Distanz umgehen.
  • Wie wir über uns selbst und andere denken.
  • Wie wir auf Stress reagieren.

Und letztlich auch, wie lebendig, verbunden und handlungsfähig wir uns in unserem Leben fühlen.

Nachdem Du bis hierhin gelesen hast:

Was empfindest Du in Deinem Körper?

Welche Fragen stellst Du Dir?

Wie fühlst Du Dich?

Melde Dich gerne. Die Fähigkeit zur Selbstregulation haben wir alle, nur oft haben wir es nicht gut lernen können. Gerne entwickele ich mit Dir neue Möglichkeiten, damit Du Dich wieder wohler und zufriedener mit Dir selber fühlst.

Triplemove

Carina Trippelsdorf

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